Cannon Films waren in den 80er Jahren wohl DER Garant für preisgünstig produzierte hurrahpatriotische Actionkracher. Der von Sam Firstenberg inszenierte AMERICAN NINJA fällt neben einigen Chuck Norris-Vehikeln in den Zenit dieses Unternehmens und bietet genau das, was Cannon-Produktionen so liebens- wie auch verachtenswert macht.
Das fängt schon mit dem Helden selbst an: Michael Dudikoff, der bereits in ENTER THE NINJA Franco Nero vors Ninjato lief, darf hier erstmals eine Hauptrolle übernehmen obwohl er schauspielerisch völlig untalentiert ist und auch von fernöstlicher Kampfkunst keine Ahnung hat. Entsprechend blickt er als amerikanischer Ninja vornehmlich finster vor sich hin, die erste Dialogzeile ist von ihm erst nach einer runden Viertelstunde zu vernehmen. Aber wer in einem Actionfilm aus dem Hause Cannon nach ausgefeiltem Charakterschauspiel und geschliffenen Dialogen sucht ist ohnehin selbst schuld, entsprechend eindimensional dient die Handlung letztlich auch nur als bloßer Rahmen für möglichst viele Kämpfe und einen ausufernden finalen Showdown.
Joe Armstrong (Dudikoff) ist irgendwo auf den Philippinen (kostengünstiger Drehort) bei der US-Army um einer Haftstrafe aus dem Wege zu gehen und entsprechend wenig integrationswillig. Als kleiner Egomane mit Heldenkomplex entpuppt er sich aber bei einem Rebellenüberfall auf einen Militärkonvoi, denn als amerikanischer Tatmensch mit Spezialausbildung schreitet er auf eigene Faust ein und rettet die Tochter des Colonels, womit die eigentlichen Schwierigkeiten erst so richtig beginnen.
In der Männergemeinschaft der Soldaten gilt er nämlich nun als Kameradenschwein, da durch seine Solonummer einige G.I.s draufgingen, außerdem ist er nun auch dem Waffenschieber Ortega ein Dorn im Auge, so daß sich letztlich eine durchaus klassische Figurenkonstellation ergibt: der schwertschwingende James Dean, die Tochter aus gutem Hause und der wenig begeisterte böse Vater. So nimmt es schließlich auch wenig Wunder, daß der Colonel mit Ortega unter einer Decke steckt, wobei die Bösartigkeit unterschiedlich motiviert ist. Steht bei Ortega skrupellose Gewinnsucht in Kombination mit Größenwahn an erster Stelle (wer leistet sich schon eine Ninja-Privatarmee und wandelt damit auf den Spuren einschlägiger Bond-Schurken?), geht es dem Colonel bei den fingierten Waffendiebstählen nämlich um den Kampf gegen den Kommunismus. Damit zeigt sich wenn auch etwas verdreht die Ideologie der Reagan-Ära, die angesichts des Versagens der Autorität auf den wackeren Einzelgänger setzt, gleichzeitig aber die offen ersichtliche Korruption der Institutionen (in diesem Fall des Militärs) zumindest im Ansatz wieder moralisch reinwäscht, denn Amerika steht ja angesichts der weltweiten Bruderschaft des Proletariats quasi mit dem Rücken zur Wand – da kann man doch ruhig ein paar Raketen an zwielichtige Gestalten verschachern solange die dann damit den Russen einheizen, oder? Insofern verwundert es auch nicht, daß der Colonel ein Porträt von John Wayne in seiner Wohnung hängen hat, freundlicherweise am Ende seinen Fehler einsieht und zum Großangriff gegen Ortega und seine Schergen bläst. Sowohl dieser “schwache” wie auch der “böse” Vater Ortega kriegen überdies natürlich auch noch jeweils ihren persönlichen Kettenhund zur Seite gestellt – der knurrige Sergeant ebenso wie der finstere Black Star Ninja sind daher die Figuren, die Joe durch Schikane oder handfeste Mordanschläge am übelsten mitspielen.
Diese etwas naive Geschichte einer Liebe gegen den Widerstand der Autorität wird allerdings weitestgehend frei von Romantik oder gar Sex abgespult. Stattdessen erringt Joe zunächst einmal den Respekt der Kameraden indem er den pöbelnden Corporal Jackson (gespielt vom farbigen Muskelpaket Steve James) verkloppt, worauf die beiden beste Freunde werden und erneut das reichlich pubertäre Strickmuster des Films offenlegen.
Richtig bescheuert wird es aber, als Joes alter Lehrmeister wieder auftaucht: Joe wurde nämlich als Kind von einem Japaner aufgezogen der das Kriegsende verschlafen hatte, eine Explosion bei Bauarbeiten trennte die beiden aber. Da ist es schon praktisch, daß der gute Sensei jetzt bei Ortega als Gärtner jobbt und Joe vor dem Kampf mit dem Black Star Ninja noch den letzten Schliff verpassen kann, der aus merkwürdigen Fingerverknotereien besteht (Ninja-Magie eben…). In solch einem ausschließlich von mehr oder minder machohaftem Gebaren und ritualisierter Männlichkeit (Korpsgeist und Bushido) geprägten filmischen Mikrokosmos ist die Tochter des Colonels endgültig nur noch der Preis für den siegreichen Kämpfer, wodurch die Dramaturgie mehr mit kindlichen Ritterspielen als mit fernöstlicher Mystik zu tun hat und bei dem Versuch scheitert, die für den Schwertkämpferfilm asiatischer Prägung typische Lehrmeister-Schüler-Beziehung sinnvoll in die Geschichte zu integrieren.
Die Action hingegen fällt dank einer dynamischen Inszenierung recht kurzweilig aus und läßt aufgrund der überaus geschickten Montage Dudikoff als westlichen Ninja halbwegs glaubwürdig erscheinen. Zusätzlichen Reiz verleihen dem Ganzen die ständigen Akrobatikeinlagen (ein richtiger Ninja tritt grundsätzlich nur mit einem Salto auf!) sowie die zahlreichen exotischen zum Einsatz kommenden Waffen. Trotz munteren Hauens und Stechens driftet AMERICAN NINJA allerdings nicht in allzuderbe Splattergefilde ab, so daß er inzwischen von der Liste der jugendgefährdenden Medien gestrichen und ab 16 Jahren freigegeben wurde.
Ungeachtet diverser Schönheitsfehler entwickelte sich der Film zu einem großen Publikumserfolg, so daß das Team Dudikoff/Steve James unter der Regie von Sam Firstenberg zunächst in AVENGING FORCE und danach in der unvermeidlichen Fortsetzung AMERICAN NINJA 2: THE CONFRONTATION gleich nochmal ans Werk durfte. Die weiteren Fortsetzungen (Teil 3 bis 5) der Reihe sind hingegen nicht mehr erwähnenswert, da sie im Wesentlichen nur noch den Niedergang von Cannon Films dokumentieren.