Jäger schaut Schund

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American Ninja (1985)

Posted by hunter1976 on July 20, 2015
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Cannon Films waren in den 80er Jahren wohl DER Garant für preisgünstig produzierte hurrahpatriotische Actionkracher. Der von Sam Firstenberg inszenierte AMERICAN NINJA fällt neben einigen Chuck Norris-Vehikeln in den Zenit dieses Unternehmens und bietet genau das, was Cannon-Produktionen so liebens- wie auch verachtenswert macht.

Das fängt schon mit dem Helden selbst an: Michael Dudikoff, der bereits in ENTER THE NINJA Franco Nero vors Ninjato lief, darf hier erstmals eine Hauptrolle übernehmen obwohl er schauspielerisch völlig untalentiert ist und auch von fernöstlicher Kampfkunst keine Ahnung hat. Entsprechend blickt er als amerikanischer Ninja vornehmlich finster vor sich hin, die erste Dialogzeile ist von ihm erst nach einer runden Viertelstunde zu vernehmen. Aber wer in einem Actionfilm aus dem Hause Cannon nach ausgefeiltem Charakterschauspiel und geschliffenen Dialogen sucht ist ohnehin selbst schuld, entsprechend eindimensional dient die Handlung letztlich auch nur als bloßer Rahmen für möglichst viele Kämpfe und einen ausufernden finalen Showdown.

Joe Armstrong (Dudikoff) ist irgendwo auf den Philippinen (kostengünstiger Drehort) bei der US-Army um einer Haftstrafe aus dem Wege zu gehen und entsprechend wenig integrationswillig. Als kleiner Egomane mit Heldenkomplex entpuppt er sich aber bei einem Rebellenüberfall auf einen Militärkonvoi, denn als amerikanischer Tatmensch mit Spezialausbildung schreitet er auf eigene Faust ein und rettet die Tochter des Colonels, womit die eigentlichen Schwierigkeiten erst so richtig beginnen.
In der Männergemeinschaft der Soldaten gilt er nämlich nun als Kameradenschwein, da durch seine Solonummer einige G.I.s draufgingen, außerdem ist er nun auch dem Waffenschieber Ortega ein Dorn im Auge, so daß sich letztlich eine durchaus klassische Figurenkonstellation ergibt: der schwertschwingende James Dean, die Tochter aus gutem Hause und der wenig begeisterte böse Vater. So nimmt es schließlich auch wenig Wunder, daß der Colonel mit Ortega unter einer Decke steckt, wobei die Bösartigkeit unterschiedlich motiviert ist. Steht bei Ortega skrupellose Gewinnsucht in Kombination mit Größenwahn an erster Stelle (wer leistet sich schon eine Ninja-Privatarmee und wandelt damit auf den Spuren einschlägiger Bond-Schurken?), geht es dem Colonel bei den fingierten Waffendiebstählen nämlich um den Kampf gegen den Kommunismus. Damit zeigt sich wenn auch etwas verdreht die Ideologie der Reagan-Ära, die angesichts des Versagens der Autorität auf den wackeren Einzelgänger setzt, gleichzeitig aber die offen ersichtliche Korruption der Institutionen (in diesem Fall des Militärs) zumindest im Ansatz wieder moralisch reinwäscht, denn Amerika steht ja angesichts der weltweiten Bruderschaft des Proletariats quasi mit dem Rücken zur Wand – da kann man doch ruhig ein paar Raketen an zwielichtige Gestalten verschachern solange die dann damit den Russen einheizen, oder? Insofern verwundert es auch nicht, daß der Colonel ein Porträt von John Wayne in seiner Wohnung hängen hat, freundlicherweise am Ende seinen Fehler einsieht und zum Großangriff gegen Ortega und seine Schergen bläst. Sowohl dieser “schwache” wie auch der “böse” Vater Ortega kriegen überdies natürlich auch noch jeweils ihren persönlichen Kettenhund zur Seite gestellt – der knurrige Sergeant ebenso wie der finstere Black Star Ninja sind daher die Figuren, die Joe durch Schikane oder handfeste Mordanschläge am übelsten mitspielen.

Diese etwas naive Geschichte einer Liebe gegen den Widerstand der Autorität wird allerdings weitestgehend frei von Romantik oder gar Sex abgespult. Stattdessen erringt Joe zunächst einmal den Respekt der Kameraden indem er den pöbelnden Corporal Jackson (gespielt vom farbigen Muskelpaket Steve James) verkloppt, worauf die beiden beste Freunde werden und erneut das reichlich pubertäre Strickmuster des Films offenlegen.
Richtig bescheuert wird es aber, als Joes alter Lehrmeister wieder auftaucht: Joe wurde nämlich als Kind von einem Japaner aufgezogen der das Kriegsende verschlafen hatte, eine Explosion bei Bauarbeiten trennte die beiden aber. Da ist es schon praktisch, daß der gute Sensei jetzt bei Ortega als Gärtner jobbt und Joe vor dem Kampf mit dem Black Star Ninja noch den letzten Schliff verpassen kann, der aus merkwürdigen Fingerverknotereien besteht (Ninja-Magie eben…). In solch einem ausschließlich von mehr oder minder machohaftem Gebaren und ritualisierter Männlichkeit (Korpsgeist und Bushido) geprägten filmischen Mikrokosmos ist die Tochter des Colonels endgültig nur noch der Preis für den siegreichen Kämpfer, wodurch die Dramaturgie mehr mit kindlichen Ritterspielen als mit fernöstlicher Mystik zu tun hat und bei dem Versuch scheitert, die für den Schwertkämpferfilm asiatischer Prägung typische Lehrmeister-Schüler-Beziehung sinnvoll in die Geschichte zu integrieren.

Die Action hingegen fällt dank einer dynamischen Inszenierung recht kurzweilig aus und läßt aufgrund der überaus geschickten Montage Dudikoff als westlichen Ninja halbwegs glaubwürdig erscheinen. Zusätzlichen Reiz verleihen dem Ganzen die ständigen Akrobatikeinlagen (ein richtiger Ninja tritt grundsätzlich nur mit einem Salto auf!) sowie die zahlreichen exotischen zum Einsatz kommenden Waffen. Trotz munteren Hauens und Stechens driftet AMERICAN NINJA allerdings nicht in allzuderbe Splattergefilde ab, so daß er inzwischen von der Liste der jugendgefährdenden Medien gestrichen und ab 16 Jahren freigegeben wurde.

Ungeachtet diverser Schönheitsfehler entwickelte sich der Film zu einem großen Publikumserfolg, so daß das Team Dudikoff/Steve James unter der Regie von Sam Firstenberg zunächst in AVENGING FORCE und danach in der unvermeidlichen Fortsetzung AMERICAN NINJA 2: THE CONFRONTATION gleich nochmal ans Werk durfte. Die weiteren Fortsetzungen (Teil 3 bis 5) der Reihe sind hingegen nicht mehr erwähnenswert, da sie im Wesentlichen nur noch den Niedergang von Cannon Films dokumentieren.

Jason Goes To Hell: The Final Friday (1993)

Posted by hunter1976 on May 8, 2015
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Nach JASON TAKES MANHATTAN war die Luft raus. Abhilfe schaffen sollte nach dem Lizenzwechsel von Paramount zu New Line Cinema der Regieneuling Adam Marcus, der als ausgewiesener Fan der Reihe sehr ambitioniert ans Werk ging.

Der Auftakt beschwört zunächst die klassische Crystal Lake-Idylle: eine Urlauberin wird nach der obligatorischen Dusche von Jason durchs Gehölz gescheucht, wo dieser von einem Sonderkommando regelrecht in Fetzen gesprengt wird. Die junge Frau war nämlich ein Lockvogel, was diverse logisch denkende Zeitgenossen zur Frage verleitet hat, weshalb sie dann eigentlich erstmal umständlich unter der Dusche war. Und in der Tat läßt sich dies wie so manche andere inhaltliche Schwachstelle aus der Filmhandlung heraus nicht begründen – der formale Ablauf der Reihe sieht allerdings nahezu zwingend vor, daß Jasons Auftritt mit erotischem Fanservice gekoppelt zu sein hat, will heißen: ohne eine weitestgehend sinnfreie Nacktszene packt der Herr seine Machete nicht aus.

Der weitere Film verfolgt dieselbe Strategie aus bereits bekannten Situationszitaten und ihrer gleichzeitigen ironischen Brechung bzw. ideologischen Neudeutung, weshalb es schwerfällt, JASON GOES TO HELL als eigenständigen Film zu rezipieren. Zumal er sich durch zahlreiche Anspielungen auf andere Horrorfilme noch zusätzlich intertextuell verstrickt (im Vorhees-Haus liegt beispielsweise auch das Necronomicon herum).

So wird Jason diesmal explizit als beliebig austauschbare Hülle für das  eigentliche metaphysische Böse inszeniert, das in Gestalt eines parasitären Wurms diverse Wirtskörper befällt (und dabei auf THE HIDDEN und Cronenbergs SHIVERS verweist). Dies macht Jason gewissermaßen zu einer ansteckenden Krankheit, die die latent bereits vorhandene Bösartigkeit und Aggressivität der jeweils Befallenen zum Ausbruch bringt. Passend dazu kreist der moralische Subtext der Campervertilgung nicht mehr um Sex an sich, sondern um Sex ohne Verhüterli (im Zeitalter von AIDS durchaus lebensgefährlich).

Interessanterweise verfallen die jeweiligen Wirtskörper auch sehr schnell, sobald sie sich den Jason-Infekt geholt haben (toller Schmelzeffekt!), so daß unser Wurm auf die Körper seiner letzten lebenden Verwandten angewiesen ist, um wieder völlig zu Kräften zu kommen. Dem im Wege steht der frischgebackene Vater Steven, der mit Jessica, der Tochter von Jasons Halbschwester zusammen war und nun die Ex zurückerobern und samt Kind vor Jason beschützen muss; selbiger ist derweil allerdings nicht faul und übernimmt passenderweise zwischenzeitlich auch noch den Körper von Jessicas neuem Lover (ein überaus schmieriger Fernsehheini, dem es ohnehin nur um eine spektakuläre Geschichte geht).

Diese Prämisse (junger Mann muss sich in der Vaterrolle beweisen) unterstreicht, wie sehr sich der Zeitgeist oder zumindest die Zielgruppe gewandelt hat. Die rebellischen Teens von einst sind altersbedingt etwas konservativer geworden und verteidigen daher nun ihrerseits die klassisch amerikanischen Family Values, was Jason in eine prekäre Situation bringt, der ja seinerseits bisher einen ebenfalls eher sittenstrengen Moralkodex verfolgte. Plötzlich ist er darum (bis auf die Camperepisode, die trotz Reminiszenz an die klassischen Freitag-Filme den moralischen Standpunkt ebenfalls deutlich verschiebt) keine Bestrafungsphantasie mehr sondern der sexuell aggressive Konkurrent um die Frau, der nebenbei in deutlich homoerotisch angehauchten oralen Prozeduren die allesamt männlichen Wirtskörper wechselt und den man auch nur mittels eines magische Dolches endgültig zur Hölle befördern kann.

Geradezu obszön ist daher auch Jasons Versuch, vom Körper von Steves Tochter Besitz zu ergreifen bzw. der Umstand, daß der ekle Wurm schließlich unter dem Rock der Leiche seiner Halbschwester verschwindet. Dies zeigt, wie sehr sich Angst und Ekel im Rahmen einer freizügigeren Sexualmoral wandeln und so ist es nur folgerichtig, daß Jason schließlich beim kinderschänderischen Alpdruck Freddy Krüger in der Hölle landet und die wieder zusammengeführte Kernfamilie triumphiert.

Diese Neuinterpretation mag nun vielen Fans der Serie nicht schmecken, zumal der “echte” Jason (erneut Kane Hodder in ansehnlicher Maskerade) nur zu Beginn und am Ende auftritt. Für Neueinsteiger hingegen dürfte der Film schlicht unverständlich bleiben und wie eine hingeschlampte Splatterorgie wirken. Begreift man JASON GOES TO HELL aber als (vermutlich unbeabsichtigte) Dekonstruktion der Reihe, so ist er auch abseits der teils wirklich heftigen Effekte nicht ohne Reiz.

Vor allem in der inzwischen auf DVD erhältlichen Unrated-Fassung gibt JASON GOES TO HELL jedenfalls richtig Gas, unterstreicht aber gleichzeitig, daß der Slasherfilm zu Beginn der 90er Jahre an einem vorläufigen Endpunkt angekommen war. Die eigentliche postmodern-selbstreferenzielle Erneuerung des Genres sollte jedenfalls erst Wes Craven mit SCREAM einleiten, wenngleich der FINAL FRIDAY mit seinen Jason-Burgern und dem Versuch, den Vorhees-Mythos gleichzeitig zu erweitern und umzudeuten bereits in eine ähnliche Richtung weist.

Friday the 13th: Jason Takes Manhattan (1989)

Posted by hunter1976 on May 7, 2015
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Nach sieben im Wesentlichen identischen Filmen schien das bisherige Konzept der FRIDAY THE 13TH-Serie dermaßen verbraucht, daß man es mit einer Ortsveränderung versuchte. Darum darf sich Jason in Rob Heddens Beitrag nach seiner Reanimation (einmal mehr durch Elektrizität) zunächst an Bord des Vergnügungsdampfers “Lazarus” und zuletzt sogar in New York austoben. Passenderweise befindet sich auf dem Schiff eine ganze Abschlußklasse koksender oder sonstwie sittlich verderbter Teenager, so daß sich schon bald die Leichen stapeln.

Und bis hierher ist JASON TAKES MANHATTAN auch recht klaustrophobisch inszeniert. Das Katz- und Maus-Spiel an Bord des Schiffs punktet durch einige nette schiefe Kameraperspektiven sowie etwas TITANIC-Atmosphäre und hätte im Grunde genommen den ganzen Film getragen – zumal mit Rennie eine junge Frau im Mittelpunkt steht, die ihre Angst vor dem Wasser überwinden muss.

Als kleines Kind wurde sie nämlich von ihrem Onkel McCullogh (nebenbei auch ihr Vormund sowie als Biologielehrer Aufsichtsperson bei der Klassenfahrt) in den Crystal Lake geschubst und hatte dort eine unheimliche Begegnung mit einem ertrunkenen Jungen namens Jason. Einmal mehr hängt Jasons Auftritt also mit einem traumatischen Erlebnis und dem Generationenkonflikt zusammen und die Szene in der die angehende Schriftstellerin Rennie dem erwachsenen Jason ihren Füller ins Auge sticht ist in ihrer Symbolik eindeutig (zumal der Füller vorher angeblich Stephen King gehörte). Passend dazu ist McCullogh als ziemlich schwacher Vertreter der Autorität angelegt, er lässt sich von einer Schülerin kompromittieren und wird schließlich Kopf voraus in einer wassergefüllten Mülltonne ertränkt (wobei der in Rückblenden gezeigte harmlose Schubs ins Wasser für sich alleine eigentlich die Überreaktion von Rennie und ihrem Freund – passenderweise ist Jasons Überwindung erneut mit einer Lovestory gekoppelt – noch nicht vollends legitimiert; die Traumatisierung muss tiefer sitzen wenn man McCullogh zurecht als “Schwein” bezeichnen und seinen Tod im Sinne einer typischen Jason-Strafaktion werten will).

Ebenfalls auf das gespannte Verhältnis der Generationen weist das moderne Navigationsgerät hin, das Rennies Freund von seinem Vater (dem Kapitän) geschenkt bekommt. Wo er sich anfangs noch weigert, in die Fußstapfen des Vaters zu treten, kann er schließlich zumindest einige Überlebende damit nach New York lotsen, wohingegen Käptn Iglo ins Fischstäbchen beißt.

Mit der Ankunft in Manhattan zerbricht der Film jedoch merklich in zwei Teile und es zeigt sich, daß eine Figur wie Jason in diesem Umfeld nicht funktionieren kann. Das liegt übrigens nicht daran, daß Jason in den verwinkelten Straßenschluchten oder U-Bahnschächten seine merkwürdige Herrschaft über den außerfilmischen Raum weniger gut ausschöpfen könnte als in den Wäldern um den Crystal Lake, sondern daran, daß er im modernen Babylon zwischen Punks und Junkies gar nicht mehr sonderlich auffällt. Noch problematischer für den Film ist allerdings, daß Rob Hedden etwa zwei Drittel von JASON TAKES MANHATTAN auf das Schiff verlegt und ihm beim Showdown in New York sichtlich die Ideen ausgehen – obwohl es für unseren Puritaner dort doch eigentlich ziemlich viel Sünde zu reinigen geben würde beschränkt er sich nämlich im Wesentlichen auf die Jagd nach Rennie & Co. wodurch er sie an einer Stelle gar vor der Vergewaltigung durch einige Kleinkriminelle bewahrt. So wirkt der Ausflug des ewiggestrigen Landeis Jason (immerhin ist er ja als Untoter die Personifizierung einer Vergangenheit, die sich weigert vorbeizugehen) in die Großstadt letztlich nicht wie der Höhepunkt des Films sondern wie ein notdürftig rangepappter Epilog an die ganze Serie, die bezeichnenderweise nach diesem Film vorläufig eingestellt wurde.

Und natürlich landete auch JASON TAKES MANHATTAN wie alle anderen Teile der Reihe auf dem Index, wurde aber inzwischen ungekürzt ab 18 Jahren freigegeben (die Erstveröffentlichung ließ noch einige Nettigkeiten wie den Mord mit einem glühenden Saunastein vermissen).

Friday the 13th: The New Blood (1988)

Posted by hunter1976 on May 7, 2015
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Jasons siebter Streich (diesmal unter der Regie von John Carl Buechler) stellt einen erneuten Versuch dar, die inzwischen reichlich ausgelutschte Thematik zu variieren.

Darum kommt in THE NEW BLOOD die junge Tina ins Spiel, die über telekinetische Kräfte verfügt. Bereits als Kind setzte sie diese ein um ihren gewalttätigen Vater loszuwerden, Jahre später begibt sie sich mit ihrer Mutter und dem Ersatzvater Dr. Crews zur Therapie an den Crystal Lake. Die sich daraufhin entspinnenden Ereignisse könnte man auch mit “Carrie Vs. Jason” umschreiben.

Jason, der seit JASON LIVES zur terminatorartigen Killermachine geworden ist, erfüllt diesmal konkret die Funktion einer aggressiven Männlichkeit und steht in direkter Analogie zu Tinas Vaterkomplex. Diese wird von Dr. Crews nämlich weniger therapiert als aufgrund ihrer Fähigkeiten karrieristisch ausgebeutet; gleichzeitig plagt sie sich mit Schuldkomplexen. Nach einer Auseinandersetzung mit Crews flüchtet sie sich darum auf den Bootssteg, auf dem sie seinerzeit den bösen Vater auf den Grund des Sees beförderte und bittet ihn, wieder zurückzukommen – stattdessen taucht aber Jason auf und passenderweise sind auch gleich noch einige der typischen Teenager in Partylaune vorhanden, so daß das muntere Geschlitze schon bald wieder in vollem Gange ist.

Dieses fällt allerdings aufgrund der Schnittvorgaben fürs R-Rating recht zahm aus (so daß die deutsche Fassung ohne zusätzliche Zensuren auskam), dafür bietet die finale Konfrontation von Tina und Jason eine Reihe ganz ansehnlicher Spezialeffekte, so daß THE NEW BLOOD trotz der hirnrissigen Prämisse durchaus Laune macht.

Am Ende kann sich Tina sogar mit der Männerwelt versöhnen – Crews wird zwar fachgerecht zerlegt, aber daß ihre Beziehung zu Nick den Film zu überdauern scheint kann man an der schließlichen Versöhnung mit ihrem Vater ablesen; dieser taucht nämlich im Moment der höchsten Bedrängis aus dem See auf und verfrachtet Jason wieder in sein nasses Grab. Dies wirkt zwar auf eine kitschige Weise lächerlich, passt aber eigentlich recht gut in den Gesamtkontext dieses leicht bescheuerten Adoleszenzdramas. (An dieser Stelle darf sich jeder selbst fragen, weshalb seltsame Superkräfte meistens mit dem Schritt ins Erwachsenenleben zusammenhängen). Wenngleich es insgesamt etwas bedauerlich ist, daß Tina als das bisher stärkste Final-Girl der Reihe nicht selbst mit Jason fertig wird.

Gewissermaßen deutet THE NEW BLOOD jedenfalls auf einen Paradigmenwechsel hin, der etwas später mit Sam Raimis SPIDERMAN und anderen Comicverfilmungen deutlicher zutage treten sollte: die Freaks, das Fremde und Andere waren plötzlich nicht mehr zwingend außerhalb des Selbst zu verorten, vielmehr stand die junge Generation vor dem Problem, ihre Andersartigkeit zu verarbeiten und zu integrieren. Gleichzeitig verlor die Vorstellung, ein Mutant wie SPIDERMAN oder die X-MEN zu sein, zusehends ihren Schrecken bzw. wurde sogar verführerisch, wohingegen THE NEW BLOOD Tinas Außenseiterrolle noch sehr skeptisch gegenübersteht und sie in erster Linie ein blutiges Inferno heraufbeschwören läßt, dem allerdings die soziokulturell bedingte Wut von Stephen Kings “Carrie” bzw. der diversen Verfilmungen fehlt – stattdessen wirkt die ganze Angelegenheit doch eher holprig und lediglich als Vorwand für Jasons blutige Umtriebe.

Der sieht dafür in THE NEW BLOOD so gut aus wie noch nie, das Jason-Design mutet geradezu biomechanisch an, teilweise liegen die Knochen offen und der Stuntman Kane Hodder unter der Maske bietet eine Performance, die so überzeugend ausfiel, daß er die Rolle noch in vier weiteren Filmen übernahm.

Friday the 13th Part VI: Jason Lives (1986)

Posted by hunter1976 on May 6, 2015
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Nachdem A NEW BEGINNING von der Fangemeinde eher ablehnend aufgenommen wurde, trieb man das neue Freitagskonzept, das wechselnde Killer unter der Maske vorsah, nicht wie ursprünglich geplant weiter. Stattdessen darf wieder der “echte” Jason ran und im erneut von einigen Sommerfrischlern bevölkerten Camp Crystal Lake (das sich im Sinne der kollektiven Verdrängung inzwischen in Forest Green umbenannt hat) für Ordnung sorgen.

Auslöser der Geschichte ist einmal mehr Tommy. Dieser ist zwar nicht wie am Ende des Vorgängers angedeutet vollends übergeschnappt, aber seine Idee, Jason auszugraben um seinen Leichnahm zu verbrennen und damit endgültig loszuwerden erweist sich als kompletter Reinfall. Durch einen Blitzschlag wird Jason nämlich reanimiert und ist prompt übelster Laune. Entsprechend marschiert er in JASON LIVES als nahezu unaufhaltsame Killermaschine durch die Wälder, wärend Tommy bei der örtlichen Ordnungsmacht auf Unglauben stößt und als Störenfried aus der Stadt geworfen wird.

Das im Rahmen der Serie übliche Gemetzel wird von Regisseur Tom McLoughlin allerdings mit einer gehörigen Portion Ironie inszeniert, so daß JASON LIVES phasenweise fast als Horrorkomödie durchgeht. Das liegt zum einen an den sehr comichaften Charakteren (beispielsweise der versoffene Friedhofswärter oder die extrem trotteligen Paintballspieler, die Jason passenderweise begegnen, als sie bereits Stirnbänder mit der Aufschrift “DEAD” tragen), aber auch an den teils ins Groteske gesteigerten Gewaltszenen. So erlegt Jason, der diesmal stark an den Terminator erinnert u. a. drei auf einen Streich oder faltet den örtlichen Sheriff zusammen bevor ihn Tommy endlich an einen Felsen gekettet endgültig wieder im See versenken kann.

Daß McLoughlin den Film noch stärker als die bisherigen Teile für ein jugendliches Publikum konzipierte zeigt darüberhinaus der modische Soundtrack von Alice Cooper sowie die Liebesgeschichte zwischen dem Außenseiter Tommy und (ausgerechnet!) der Tochter des Sheriffs; darüberhinaus hat JASON LIVES auch das bisher versöhnlichste Ende, denn am Schluß ist Tommy sowohl den Sheriff als gestrenge Vaterfigur als auch Jason (seine dunkle Seite) los und kann gemeinsam mit seinem Love-Interest entspannt in die Zukunft sehen.

Insgesamt zeigt aber auch JASON LIVES, daß die Serie inhaltlich und formal stagnierte und im Grunde genommen lediglich in beliebig wirkender Reihung diverse Arten der Urlauberbeseitigung präsentierte, für die Tommys innerer Konflikt gewissermaßen nur die Funktion eines ordnenden Rahmens einnahm. Daß dabei Jason noch stärker als bisher zum eigentlichen Star des Films wurde erwies sich insbesondere in Deutschland als problematisch, wo der Film trotz etlicher Schnitte schnell auf dem Index landete. Inzwischen ist JASON LIVES aber uncut mit einer Freigabe ab 18 Jahren erhältlich.

Friday the 13th: A New Beginning (1985)

Posted by hunter1976 on May 5, 2015
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Daß die ohnehin nicht sonderlich kreative Freitagreihe sich inzwischen nur noch selbst reproduzierte war spätestens im FINAL CHAPTER offensichtlich zutagegetreten, weshalb sich im fünften Teil Regisseur Danny Steinmann um einen Neuanfang bemühte.

Das fertige Resultat ist allerdings nur bedingt als Neustart der Reihe zu betrachten, da die Änderungen insgesamt eher unbedeutend ausfallen. Tommy, das Psychokind aus dem vorangehenden Teil ist zwar inzwischen erwachsen und versucht in einer therapeutischen Einrichtung auf dem Land seine traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten, doch schon bald geht auch dort ein vermummter Killer um. Die Morde sind in der klassischen Manier inszeniert und erinnern erschreckend an Jasons Umtriebe – bleibt nur die Frage, ob dieser tatsächlich erneut wiederauferstanden ist, ob es sich um einen Trittbrettfahrer oder gar um Tommy selbst handelt.

Statt eines psychologischen Verwirrspiels bietet Steinmann jedoch leider nur einen weiteren Aufguß der inzwischen sattsam bekannten Teenager-Bestrafungsmaßnahmen. Tommys Angst vor Jasons Rückkehr wird nur kurz im Prolog angedeutet (eine Traumsequenz, in der Jung-Tommy einige Leichenschänder beim Ausbuddeln von Jasons Leiche beobachtet, die logischerweise schon kurz darauf seinen Platz im Grab einnehmen), im weiteren Verlauf ist er hingegen bis auf einen Zornesausbruch weitgehend passiv und verschwindet zwischendurch völlig aus der Handlung, so daß es dem Film schlicht an einer Identifikationsfigur mangelt. Dadurch wird auch seine Konfrontation mit “Jason” – in Wirklichkeit ein Überaschungskiller mit äußerst mikriger Motivation, den man aber bereits bei seinem ersten Auftritt an seinem irrsinnigen Gesichtsausdruck entlarven kann – im Finale deutlich der Spannung beraubt, denn wen kümmert es schon, wenn eine derartig an den Rand eines Films verbannte Figur ihre dunkle Seite exorziert?

Die restlichen Figuren hingegen sind größtenteils zu skurril, als daß die Regie mehr als das übliche “Schlachtvieh” aus ihnen machen könnte – wobei man anmerken muss, daß die Insassen des Therapiecamps insgesamt doch noch besser wegkommen als die angeblich “Normalen” (so lassen beispielsweise die besorgten Nachbarn, die von der “Klapsmühle” nicht gerade begeistert sind, ihrerseits kein Hillbillie-Klischee aus, sind dreckig, vulgär und ziemlich debil). Im Vergleich zu Teil 4 tritt auch der sexualmoralische Unterton wieder in den Hintergrund, wenngleich das obligatorische nymphomane Pärchen natürlich ebensowenig fehlen darf wie ein koksender Busfahrer – insgesamt hat es “Jason” diesmal aber schlicht darauf abgesehen, die gesamte Besetzung wegzumeucheln.

Als Final-Girl bleibt hingegen die Betreuerin Pam übrig, interesanterweise eine ohnehin schon mütterliche Figur, die im Finale den farbigen Jungen Reggie vor “Jason” beschützen muss, womit das klassische Strickmuster der Serie (die ja ursprünglich den Konflikt der enthemmten Hippiegeneration mit der strafenden Autorität abhandelte) endgültig über Bord geworfen wird. Vielmehr muss nun die besorgte Mutter das Kind vor dem tobsüchtigen Vater verteidigen und bezeichnenderweise ist der Pseudojason tatsächlich ein durch den Axtmord an seinem Sohn aus der Bahn geworfener Vater, der aufgrund dieses “Unfalls” das Therapiecamp auf seine individuelle Art zu schließen trachtet.

Ob unter der Eishockeymaske letztlich ein verwesender Untoter oder ein Ersatzkiller steckt dürfte im Grunde genommen unwesentlich sein, da diese ohnehin nur eine Art postmodern-oberflächliche Chiffre darstellt; weshalb nicht das Fehlen des “echten” Jason für das letztliche Scheitern des Films verantwortlich zu machen ist, sondern Danny Steinmanns Unentschlossenheit, ob “Jason” nun der randalierende Vater oder doch das “innere Monster” von Tommy sein soll – beide Lesarten laufen gewissermaßen parallel nebeneinander her und werden auch im Schlußbild (Tommy trägt Jasons Maske und ist mit einem Messer bewaffnet) nicht aufgelöst, stattdessen bleibt offen, ob Tommy sich nun vollständig mit Jason identifiziert hat und Pam angreifen wird. Diese mangelnde innere Geschlossenheit, in der die einzelnen Spannungssequenzen letztlich episodenhaft und beliebig wirken, läßt A NEW BEGINNING insgesamt ähnlich konfus wirken wie bereits Steve Miners PART 2, der ja ebenfalls vor den Augen der Zuschauer wie Jasons Mordopfer in seine Einzelteile zerfiel. Die Gratwanderung, im festgefahrenen formalen Rahmen der Serie etwas Neues zu bieten, kann somit bestenfalls als bemühter Versuch gewürdigt werden.

Erschwerend kommt hinzu, daß A NEW BEGINNING neben PART 2 auch der zahmste Teil der Reihe ist. Zwar wurde die deutsche Erstveröffentlichung noch gekürzt veröffentlicht und trotzdem indiziert, inzwischen hat man ihn aber begnadigt und uncut bereits ab 16 Jahren freigegeben. Was allerdings natürlich nicht bedeuten soll, daß er harmlos wäre, lediglich der Funfaktor kommt aufgrund der spärlichen und bis auf einige Ausnahmen (beispielsweise eine Gartenschere in den Augen) recht einfallslosen Effekte, die ja der heimliche Hauptgrund für den Konsum derartiger Werke sind, ein wenig zu kurz.

Friday the 13th: The Final Chapter (1984)

Posted by hunter1976 on May 5, 2015
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Jason ist tot, lang lebe Jason! Zwar sind die ständigen Dauerfortsetzungen finanziell erfolgreicher Franchises in erster Linie ökonomisch begründet (man macht eben Kasse damit solange es geht), insbesondere im Horrorgenre kommt dem aber auch Freuds Theorie von der Wiederkehr des Verdrängten entgegen – was dazu führt, daß bestimmte Schreckfiguren einfach nicht totzukriegen sind.

So verwundert es nicht, daß in Joseph Zitos Freitagsvariation Jason schon bald wieder putzmunter auf Teenagerjagd gehen darf, obwohl er im vorangehenden Teil eigentlich eine Axt im Kopf stecken hatte. Die damit verbundene Migräne dürfte wohl auch der Grund dafür sein, daß THE FINAL CHAPTER noch einen ganzen Zacken reaktionärer ausfällt. Bezeichnenderweise erhebt sich Jason nämlich aus dem Leichenfach des Krankenhauses weil das dortige Personal mit Doktorspielen beschäftigt ist und merkwürdige Erotik-Aerobic-Videos anschaut (typisch 80er Jahre!). Grund genug für unseren wackeren Puritaner, kräftig unter dem Leichentuch zu rotieren und danach zur Knochensäge zu greifen.

Derweil treiben sich am Crystal Lake wieder einige der üblichen fortpflanzungswütigen Nasen herum, so daß Jason sich nach seiner Auferstehung schleunigst dorthin begibt, um der Wochenend-Party den nötigen Pep zu verleihen. Allerdings beläßt Zito es nicht beim bloßen Herunterspulen des bewährten Programms. Zwar sind alle aus den bisherigen Teilen bekannten Standardzutaten vorhanden (das ständige musikalische “ki ki ki ma ma ma”-Leitmotiv; die Morde bevorzugt als Bestrafung nach dem Geschlechtsakt; in fast allen Teilen wird gegen Ende eine Leiche durch das Fenster ins innere einer Blockhütte geschmissen; usw. usf.), gleichzeitig ergeben sich aber durch die Einführung des kleinen Jungen Tommy einige deutliche Verschiebungen.

Tommy ist nämlich ein kleiner Horrorfan und hat wie Jason eine Vorliebe für Masken. Außerdem ist er sichtlich begeistert davon, daß er nachts von seinem Zimmerfenster in die benachbarte Hütte spannen kann; seine Reaktion auf die dort gebotene Show ist jedenfalls ein Brüller und läßt die Vermutung zu, daß Jason gewissermaßen Tommys schlechtes Gewissen repräsentiert. THE FINAL CHAPTER ist jedenfalls in sexueller Hinsicht der expliziteste und in seiner Aussage deutlichste Teil der Serie – auch wenn es lediglich unbedeutende Randfiguren erwischt, die nur zum Zweck des schnellstmöglichen Ablebens eingeführt werden. Wo beispielsweise der Mord an der fetten Anhalterin eigentlich völlig unbegründet und unmotiviert wäre, präsentiert sie Zito beim fast schon obszön anmutenden Verspeisen einer Banane (!), was im Kontext der verdrehten Moral der Reihe Jason durchaus wieder ein Motiv gibt. Gleichzeitig sind Jasons Bluttaten ihrerseits aber ebenfalls als sexuelle Ersatzhandlungen kenntlich gemacht, so daß man THE FINAL CHAPTER letztlich als Versuch der Überwindung von präpurtären Unsicherheiten verstehen kann. Bezeichnenderweise kreist nämlich bei einem der Jugendlichen das gesamte Sinnen und Trachten um die Frage, ob er es im Bett wohl bringt. Als er dann seinem Kumpel endlich stolz ein erobertes Höschen präsentiert ist er natürlich ein Fall für den Mann mit der Eishockeymaske…

Sehr erheiternd ist übrigens, daß Jason, der ja ohnehin außerhalb der Kadrierung am mächtigsten ist, durch sein Untotendasein auch die Fähigkeit zur Teleportation erlernt zu haben scheint. Ständig taucht er unvermittelt an den merkwürdigsten Stellen auf (einmal scheint er gar auf dem Haus herumgeturnt zu sein), obwohl er wenn er mal im Bild ist eigentlich eher plump und schwerfällig wirkt – aber mit zuviel Logik darf man sich diese Art von Film eben einfach nicht anschauen! (Wobei, ehrlich gesagt wäre eine Art Behind-the-Scenes, das Jason beim hektischen Zurücklegen der diversen Wegstrecken zwischen seinen Tatorten zeigt vermutlich äußerst spaßig…).

Geschickt gelöst hingegen wurde das Problem, daß Tommy als Final-Girl denkbar ungeeignet ist, weshalb sich seine Schwester die obligatorische Hatz mit Jason liefern muss während sich der Steppke nach dem Vorbild des im See ertrunkenen kleinen Jason den Kopf rasiert. Wo Steve Miner in PART 2 noch die Identifikation mit der bösen Mutter als scheinbare Lösung anbot verschmilzt der ängstliche Junge gewissermaßen mit Jason (dem natürlich auch über den Großteil der Laufzeit die Sympathie des Publikums gilt). Sehr heftig und gar nicht lustig ist fällt darum auch Tommys an die bisherigen Teile angelehnter finaler Befreiungsschlag aus – und folgerichtig bleibt auch er als von den Ereignissen gezeichnet zurück. Den hiesigen Jugendschützern scheint jedenfalls genau so ein kleiner traumatisierter Gnom mit Machete vor dem geistigen Auge geschwebt zu haben, als sie der vorsorglich bereits um alle Gewaltszenen erleichterten deutschen Fassung das Verbot bescherten. Die Brutalität des Films fällt allerdings aber auch in der ungekürzten Fassung nicht übermäßig aus, denn THE FINAL CHAPTER wurde bereits vor dem amerikanischen Kinostart zugunsten des R-Ratings gekürzt, so daß die Morde zwar wie üblich wort- und kompromißlos, aber blitzschnell vorsichgehen – was andererseits die Härte aber auch wieder verstärkt; vergleicht man die einzelnen Splattereffekte mit den Unrated-Szenen, die sich auf einigen DVD-Veröffentlichungen im Bonusmaterial finden lassen und die findige Bootlegger inzwischen auch wieder in den fertigen Film reintegriert haben, so muss man zugeben, daß die Tricks in dieser ausführlicheren Präsentation in ihrer Durchschaubarkeit offensichtlich werden und viel von ihrer Wirkung verlieren (die längere Fassung ist also nicht grundsätzlich die bessere!).

Joseph Zito schien jedenfalls nach THE PROWLER und FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER die amerikanische Gesellschaft ausreichend moralisch geläutert zu haben und schickte darum in einigen Actionklassikern Chuck Norris in den Kampf gegen den Kommunismus (MISSING IN ACTION und insbesondere INVASION U.S.A. kann man jedenfalls als geradezu prototypisch für den Hurrapatriotismus der Reagan-Ära bezeichnen).

Friday the 13th Part III (1982)

Posted by hunter1976 on May 2, 2015
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Die Tatsache, daß der Blick der subjektiven Kamera im Slasherfilm unweigerlich von spitzen Gegenständen angezogen zu werden scheint prädestiniert dieses Subgenre geradezu für den 3-D-Effekt. So verwundert es auch nicht, daß der dritte Teil (erneut unter der Regie von Steve Miner) diese zu Anfang der 80er Jahre kurzzeitig sehr populäre technische Spielerei ausgiebig nutzt.

Inhaltlich hat sich zwar nicht viel geändert, aber das Spiel um den voyeuristischen, gleichzeitig aber extrem verletzlichen Blick wird von Miner  jedoch sehr gekonnt eingesetzt. Immer wieder werden längliche Gerätschaften direkt auf den Zuschauer gerichtet (zunächst so harmlose Dinge wie eine zurechtgerückte Fernsehantenne, später dann Jasons Mordwerkzeuge), der als böses Omen dienende Landstreicher hält ein ausgerissenes Auge direkt in die Kamera, später feuert Jason eine Harpune direkt ins Publikum bzw. ins Auge seines Opfers und als Höhepunkt zerquetscht er einem besonders unglücklichen Opfer den Kopf, so daß die Augen herauspoppen.

Insofern ist es etwas schade, daß der Film über weite Strecken erneut lediglich die fröhliche Camperdezimierung abhandelt, wenngleich diesmal alles sehr selbstironisch abläuft. Das fängt schon mit dem gnadenlos überzeichneten White-Trash-Ehepaar  im Drugstore an – Frau trägt natürlich Lockenwickler und ist bevorzugt mit Herumkeifen beschäftigt, der ungepflegte Herr des Hauses hingegen bedient sich aus dem eigenen Sortiment und stellt die angebrochenen Lebensmittel und Getränke danach wieder ins Verkaufsregal. Vom Campervolk, das sich im Verlauf des Films noch mit einigen Rockern anlegt, ist neben dem lustigen Kifferpaar vor allem noch der Trottel Shelley erwähnenswert, der ständig makabre Scherzchen treibt. Durch seine Späße (so schminkt er sich als Leiche mit Axt im Kopf oder erschreckt Vera mit der Hockeymaske, die später Jason tragen wird und die zum Markenzeichen der Serie wurde), die letztlich einen Schrei nach Aufmerksamkeit darstellen, sorgt er einerseits für den obligatorischen falschen Alarm bevor Jason seinerseits sein Gagfeuerwerk abbrennt, gleichzeitig reflektiert er aber auch gewissermaßen die von Miner angewandte Inszenierungstechnik auf den Effekt hin, denn natürlich schaut man sich einen Film wie FRIDAY THE 13TH PART III ja deswegen an, weil es durchaus Spaß macht, sich erschrecken und schockieren zu lassen. Insofern ist es auffällig, daß Jason Shelley die Hockeymaske abnimmt, eine gewisse Geistesverwandschaft der beiden Kindsköpfe läßt sich jedenfalls nicht leugnen.

Sehr konventionell hingegen ist der typische Wechsel von Post-Koitus-Morden und abschließendem Duell mit dem Final-Girl ebenso wie der obligatorische Sympathieumschwung sobald Jason die omnipotente Position außerhalb bzw. nur am Rande der Kadrierung verläßt. Einmal mehr geht es nämlich um Traumabewältigung, einer Rückblende zufolge ist die junge Chris schon einmal einem entstellten Mann knapp entwischt. Daß Jason bei der finalen Konfrontation der beiden kurz die Maske abnimmt und sich ihr somit als ebendieser zu erkennen gibt macht klar, daß er im Grunde genommen ein “inneres Monster” ist und wie bereits in den Teilen davor die Angst der Frau vor dem Mann darstellt (man denke hierbei an die überdeutliche “Penetration” der Kiffertante mit dem glühenden Schürhaken). Von Bedeutung für die Lesart, daß Chris Jason gewissermaßen “erschaffen” hat um ihre sexuelle Unsicherheit zu verarbeiten ist auch die Tatsache, daß er einem im Handstand herumalbernden männlichen Mordopfer äußerst unangenehme intime Streicheleinheiten mit der Machete verpasst und das ganze Geschehen insgesamt wieder als puritanische Reinigungsaktion gewertet werden kann. Passenderweise schließt sich am Ende der Kreis dadurch, daß diesmal zwar Jason endgültig überwunden wird, dafür aber in einer Traumsequenz Mrs. Vorhees wieder aus dem See auftaucht. Berücksichtigen wir hierbei die auffallend lange Rückblende auf PART 2 in der Pre-Title-Sequenz, in der Ginny in die Rolle von Mrs. Vorhees schlüpft, lassen sich Alice aus Teil 1, Ginny und Chris (die als einzige einen geschlechtsneutralen Namen hat!) als drei Stufen der Angstbewältigung lesen. Wo Ginny Jason lediglich schwer verletzt und danach aus der Geschichte verschwindet macht Chris zwar mit dem deformierten Mann Schluß, aber nur mit dem Ergebnis, daß der Zyklus der verdrehten Sexualmoral aufs Neue in Gang gesetzt wird, weshalb auch sie das Schlachtfeld nicht als Siegerin verläßt sondern hysterisch im Krankenwagen abtransportiert wird, was die idyllisch-ruhigen Schlußbilder des Sees trügerisch wirken läßt. Der repressive Puritanismus lauert ungeachtet aller Befreiungsversuche weiterhin unter der Oberfläche der amerikanischen Gesellschaft.

Bei den deutschen Behörden stieß FRIDAY THE 13TH PART III übrigens trotz dieses deutlich selbstreflexiveren Tonfalls auf noch weniger Anklang als die ersten beiden Teile. Die sich aus der bereits erwähnten selbstironischen Haltung ergebende noch vordergründigere Effekthascherei, die geradezu zwangsweise auch eine Übertreibung der Gewaltszenen mit sich brachte, wurde nicht als solche erkannt sondern bierernst als strafrechtlich relevante Gewaltverherrlichung eingestuft, was die bundesweite Beschlagnahmung nach sich zog.

Nachtrag: Inzwischen hatte man ein Einsehen und der Film wurde auf FSK 16 heruntergestuft.

Friday the 13th Part 2 (1981)

Posted by hunter1976 on April 29, 2015
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Wenn ein Film die Kinokasse klingeln läßt muss man auf die Fortsetzung für gewöhnlich nicht lange warten. Die Entscheidung, diesmal Jason höchstselbst auftreten zu lassen obwohl der erste Teil hinsichtlich seiner Existenz doch eher wage gehalten war, erwies sich als Glücksfall für die Serie, da Jason schnell zur Kultfigur avancierte. Insgesamt muss man PART 2 aber bescheinigen, daß er nahezu alle Vorurteile gegenüber Fortsetzungen bestätigt – in seinem Kern handelt es sich nämlich weniger um eine Weiterführung der Geschichte als um eine Art Remake mit einem leicht variierten Figurenensemble und deutlich mehr Splatterszenen (die dafür aber zugunsten des R-Ratings insgesamt weniger blutrünstig ausfallen, so daß die ungeschnittene Fassung des Films inzwischen vom Index gestrichen und ab 16 Jahren freigegeben werden konnte).

Die Prologsequenz wirkt dabei noch halbwegs ambitioniert: Alice, die Überlebende des ersten Teils scheint die Ereignisse in Camp Crystal Lake nicht sonderlich gut verdaut zu haben und wird schnell von der Vergangenheit  in Form des abgetrenten Kopfs von Mrs. Vorhees eingeholt, den irgendein Spaßvogel in ihren Kühlschrank gesteckt hat. Danach greift der Spaßvogel allerdings mit zumindest für Alice nicht ganz so lustigem Ergebnis zum Eispickel. Regisseur Steve Miner macht dabei ebenfalls deutlich, daß es um voyeuristische Angstlust geht, allerdings nicht über den Umweg der subjektiven Sichtweise aus dem Blick des Killers (wie sie Cunningham im ersten Teil inszenierte), sondern direkt durch eine dynamische Kamera, die Alice fast ohne Zwischenschnitte vom Schlafzimmer in die Dusche folgt, bevor schließlich der Killer seinen Auftritt hat. Diesmal ist das Publikum unmittelbar mit dem Beobachter identisch und daher ist es nur folgerichtig, daß Alice mit einem spitzen Gegenstand ermordet wird.

Diesen neuen Ansatz hält Miner in der Folge aber nicht durch sondern greift im Hauptteil auf das Schema des Vorgängers zurück. Erneut werden einige Camper im nach fünf Jahren erneut eröffneten Camp Crystal Lake zuerst gestalkt und dann geslasht, bis sich das Final-Girl dann schließlich ein Duell mit Jason liefern darf. Sehr selbstreflexiv ist dabei die kleine Lagerfeuergeschichte, in der der neue Campleiter die gruselige Geschichte Jasons erzählt, der den Mord an seiner Muter mitangesehen hat und dabei den Verstand verlor. Auf diese Weise werden nicht nur die FRIDAY THE 13TH-Filme in der Traditon ebensolcher Lagerfeuererzählungen verortet, durch den Auftritt eines als Jason kostümierten Campers wird überdeutlich gemacht, daß die Serie im Grunde genommen den Spaß am Schockeffekt kultiviert. So tödlich ernst die Begegnungen mit Jason für die Protagonisten des Films nämlich auch ausfallen mögen – für das Publikum besteht beim Betrachten eines solchen Films natürlich keine Gefahr, weshalb man die Schocksequenzen ähnlich wie die Lagerfeuergesellschaft zumeist nach kurzem Luftholen mit befreiendem Gelächter quittiert (zumal die Todesarten innerhalb der Reihe immer ausgefallener und damit auch zwangsläufig grotesker werden). Außerdem verweist Miner auch ganz konkret auf den Bava-Klassiker REAZIONE A CATENA, der bereits Jahre vor HALLOWEEN die formale Gestaltung des Schlitzerfilms vorgab. Neben einem ähnlichen Setting (aus einer malerischen Bucht machte man den Crystal Lake) und den obligatorischen Leichen übernimmt Miner sogar die geradezu biblisch anmutende Ermordung eines Liebespaares beim Akt mittels Speer (in Liebe vereint eben…) von Bava.

Dadurch, daß ab Teil 2 nun Jason als Killer am Crystal Lake herumschleichen darf ist der ohnehin omnipräsente sexuelle Unterton in sich stimmiger. Jason ist gewissermaßen das ewige Kind mit dem Mutterkomplex, das einsam in den Wäldern hauste und nun erbarmungslose Jagd auf alle unsittlichen Eindringlinge in sein Revier macht. Passend dazu hat er in einer verfallenden Hütte sogar eine Art Schrein mit dem mumifizierten Kopf seiner Mutter, sein entstelltes Gesicht verbirgt er unter einem Sack. Hier liegt der Unterschied zu Carpenters bei weitem intelligenterem HALLOWEEN – unter der Maske von Michael Myers steckt nämlich ein ganz normal aussehender Mann, wohingegen bei Jason der Schrecken einfach verdoppelt wird. Ein geistig zurückgebliebener Randalierer mit Sack auf dem Kopf ist schon kein allzu vertrauenerweckender Anblick, die Fratze unter der Maske hingegen setzt das Böse sehr simpel mit dem Hässlichen gleich.

Sehr interessant ist allerdings, daß mit Ginny ein vergleichsweise selbstsicheres Final-Girl gegen Jason antreten muss nachdem das völlig vernachlässigbare “Schlachtvieh” im Camp auf ein erträgliches Maß dezimiert wurde. Im Umgang mit ihrem Vorgesetzten Paul behält sie regelmäßig die Oberhand und bezeichnenderweise äußert sie reges Interesse an der Geschichte von Jason, was ihr am Ende auch erlaubt, ihn zu überlisten: sie schlüpft in den alten Pullover von Mrs. Vorhees und damit vollends in die Mutterrolle, die sie Ansatzweise bereits im Camp innehatte.

Allerdings bleibt PART 2 insgesamt etwas unscharf. Zunächst ist der deutliche inhaltliche und auch inszenatorische Bruch zwischen Prolog und Haupthandlung mehr als auffällig. Zum Zweiten wirkt auch der eigentliche Schluß nicht gerade stimmig, denn wie nicht anders zu erwarten greift Jason ein letztes Mal Ginny an als diese gerade mit Paul die Rückkehr des verschwundenen Hundes feiert (wenn man so will also zu ihrem Familienglück gefunden hat). Nach dem Angriff ist Paul samt Wauwau verschwunden und Ginny wird ins Krankenhaus gebracht.

Berücksichtigt man aber, daß der Film praktisch mit der Rückblende zur Enthauptung von Mrs. Vorhees beginnt und das Schlußbild ihren mumifizierten Kopf auf dem Altar zeigt, ergibt sich wenn man so will die Geschichte zweier gescheiterter Emanzipations- und Selbstermächtigungsversuche (immerhin schwingen Alice und Ginny die Machete als überdeutlichen Phallusersatz). Der Fehler von Alice war es, nicht bis zum Zentrum ihrer sexuellen Ängste vorzudringen obwohl die Hemmschwelle der vorgeschalteten Autorität bereits durch die symbolträchtige Trennung von Körper und Geist entmachtet war, sie stirbt darum konsequent durch einen phallischen Gegenstand. Ginny hingegen versucht den Weg der Identifikation mit der Autorität, wodurch Regisseur Miner vor dem Problem steht, eine einfache Rekonstitution der strafenden Muttermoral (die ohnehin über dem ganzen Film schwebt) irgendwie zu umschiffen und eine Rückkehr zur trügerischen Familienidylle zu vermeiden. Zumal Ginny zunächst im Wesentlichen darum bemüht ist, Pauls Flirt- und Annäherungsversuche zurückzuweisen, was beim ausführlichen Kampf gegen Jason natürlich die Lesart aufdrängt, daß es sich auch in diesem Fall um die Abwehr aggressiver Männlichkeit handelt. Der finale Auftritt Jasons ist darum mehr als ein simpler Schockeffekt sondern ein erneuter Ausdruck von Ginnys Unfähigkeit, eine Bindung mit Paul einzugehen. Am Ende bleibt sie allein zurück und das Verbleiben von Jason im Ungewissen.

Friday the 13th (1980)

Posted by hunter1976 on April 28, 2015
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Die Friday-Reihe dürfte wohl zu den umstrittensten Horrorserien überhaupt zählen. Das liegt zum einen daran, daß die kommerziell erfolgreiche Slasherformel (maskierter Killer stalkt paarungswillige Teenager und bringt sie auf möglichst drastische Weise um die Ecke) bis zum Abwinken kopiert wurde und damit ein kreativer Niedergang des Horrorfilms eingeleitet wurde, der sich weitgehend in zahllosen nahezu identischen Billigprodukten erschöpfte. Zum zweiten wurde die Figur des Jason mit seiner Eishockeymaske zwar schnell neben Freddy Krüger zu einer Ikone des modernen Horrorfilms – aber gerade aus diesem Kultfaktor des Maskenmanns leiteten besorgte Pädagogen und Jugendschützer eine Nachahmungsgefahr ab, was durch einige von der Sensationspresse aufgebauschte reale Verbrechen scheinbar unterstützt wurde.

Um die Slasherthematik im kulturellen Zusammenhang jedoch objektiv würdigen zu können ist zunächst ein kleiner Ausflug in die amerikanische Kriminalgeschichte nötig: in den 50er Jahren erschütterte nämlich der Fall Ed Gein die amerikanische Öffentlichkeit. Dies lag zum einen an der beispiellosen Ekelhaftigkeit seiner Taten (u. a. dekorierte er seine Wohnung mit Leichenteilen), viel erschütternder für das amerikanische Selbstverständnis war aber die Erkenntnis, daß der freundliche Sonderling von Nebenan ein nekrophiler Triebtäter sein konnte.

Die Kulturschaffenden reagierten schon bald – Robert Bloch schrieb angeregt durch den Fall Ed Gein den Roman “Psycho” der von Alfred Hitchcock meisterhaft verfilmt wurde. Wenngleich Hitchcock sich noch in vornehmer Zurückhaltung übte überschwemmten nichtsdestotrotz schon bald die degenerierten Hinterwäldler mit Hang zu kannibalistischen Exzessen die Filmlandschaft, allen voran THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE (Leatherface trägt wie Gein abgezogene Gesichtshaut als Maske), der neben diversen Fortsetzungen in so unterschiedlichen Werken wie THE SILENCE OF THE LAMBS oder der WRONG TURN-Reihe nachwirkt. Für FRIDAY THE 13TH war jedoch weniger der apokalyptische Kulturpessimismus des Kettensägenmassakers Vorbild sondern der strenger an PSYCHO orientierte HALLOWEEN, der völlig andere Akzente setzte: hier ist der “schwarze Mann” kein Ausdruck kulturellen Niedergangs sondern im Gegenteil eine Art Relikt der durch die 68er-Generation überwunden geglaubten Spießermoral. Wo in TEXAS CHAINSAW MASSACRE und den Zombiefilmen der Weltuntergang regelrecht abgefeiert wird erfüllt Michael Myers aus HALLOWEEN die Funktion einer erzkonservativen Bestrafungsphantasie in einer scheinbar enthemmten und aus den Fugen geratenen Gesellschaft und kann darum nur vom asexuell und prüde inszenierten Final-Girl in die Schranken gewiesen werden.

Ausgehend vom Erfolg von HALLOWEEN an den Kinokassen ließ sich schließlich Sean S. Cunningham zu seinem FRIDAY THE 13TH inspirieren und schuf zumindest aus ökonomischer Sicht ein Meisterwerk. Die absolute Reduktion des Films auf das unbedingt nötige mag zwar dem geringen Budget geschuldet sein, gleichzeitig ergibt sich durch die Konzentration auf wenige Örtlichkeiten (im Wesentlichen das Feriencamp Crystal Lake), das überschaubare Figurenensemble und die minimalistische Handlung ein Höchstmaß an Spannung. Cunningham setzt die Akzente darüberhinaus nichteinmal auf die Entlarvung und Überführung des Täters – es gibt keine Verdächtigen wie im klassischen Whodunit, stattdessen ist die Auflösung völlig beliebig und die Motivation hinter den Morden lediglich ein dünner Vorwand. Dies mag zwar vor allem in Kombination mit den äußerst drastischen Makeupeffekten von Tom Savini für den seriösen Kinogänger nach unbeholfener Effekthascherei aussehen, dabei sollte aber berücksichtigt werden, daß gerade diese scheinbar grundlose Grausamkeit den Film so verstörend macht.

Camp Crystal Lake im Jahre 1958. Zwei jugendliche Aufseher ziehen sich zum Fummeln zurück anstatt ihren Pflichten nachzukommen und werden schon kurz darauf ermordet – womit wir beim eigentlichen Thema des Films wären. Zwar stellt sich am Ende heraus, daß die Überaschungsmörderin Mrs. Vorhees gewissermaßen an einer ironischen Umkehrung des seit PSYCHO symptomatischen Mutterkomplexes leidet, die Kameraführung hingegen zielt auf voyeuristische Angstlust ab, da ständig zwischen einer subjektiven Beobachterperspektive und konventionellen Einstellungen gewechselt wird was eine kritische Distanzierung des Zuschauers erschwert.

Gleichzeitig demonstriert Cunningham aber, daß auch die allzu unreflektierte Zuschaueridentifikation in den Tod führt. Ähnlich wie in PSYCHO wird nach einem Zeitsprung in die Gegenwart die junge Annie als vermeintliche Hauptfigur eingeführt. Sie ist auf dem Weg ins nach 20 Jahren wiedereröffnete Camp, wird mit einigen düsteren Vorzeichen konfrontiert (darunter der bewährte prophetische Dorfdepp) und schließlich ermordet noch bevor sie überhaupt im Camp ankommt. Dort sind die neuen Leiter noch mit den letzten Renovierungsarbeiten beschäftigt, wobei der neue Chef Steve Christy gewissermaßen die Vaterrolle innehat. Kaum ist dieser kurz in die nahegelegene Stadt unterwegs nimmt daher das Unheil seinen Lauf: zunächst spielen die jugendlichen Angestellten ein wenig Strip-Monopoly und ziehen sich zur Bettakrobatik zurück, doch schon bald zieht ein Unwetter auf und schließlich hat die voyeuristische Kamera Kamera genug vom Zugucken, so daß Mrs. Vorhees einige höchst unerfreuliche Post-Koitus-Morde begehen kann (Höhepunkte sind hierbei die Axt im Kopf sowie der mit einem Pfeil durchbohrte Hals von Kevin Bacon). Der Grund für das Gemetzel ist übrigens ganz konkret eine reaktionäre Bestrafungsphantasie: Mrs. Vorhees will ihren Sohn Jason rächen, der als Kind durch die Unachtsamkeit der Aufseher im See ertrank, insofern thematisiert FRIDAY THE 13TH den zu dieser Zeit schwelenden Generationenkonflikt ohne jedoch offensichtlich Partei zu ergreifen. Zwar sind die Teenager am See lediglich rudimentär charakterisiert und haben außer Dope und Sex nicht viel im Kopf, doch die Autoritäten kommen auch nicht besser weg. Der “Vater” Steve ist die meiste Zeit abwesend, trödelt mit dem Sheriff herum und kommt im entscheidenden Moment zu spät was ihn das Leben kostet. Die “Mutter” Mrs. Vorhees hingegen ist eine irre Furie und bis zur Persönlichkeitsspaltung von ihrem Sohn besessen (das für die gesamte Serie stilprägende ständige “ki ki ki, ma ma ma” auf der Tonspur reflektiert diesen Geisteszustand; laut Komponist Harry Manfredini handelt es sich um ein akustisch verfremdetes “Kill her Mammy!” und bezeichnenderweise wird im gesamten Film Musik nur dann eingesetzt, wenn der Mörder in der Nähe ist).

Unter den Opfern kristallisiert sich schließlich Alice als Final-Girl nach dem Vorbild von Jamie Lee Curtis in HALLOWEEN heraus. Zwar schreckt sie zu Beginn noch vor einer Schlange zurück, so daß einer ihrer Freunde zur Machete greifen muss (eine freudianisch eindeutige Sequenz), am Ende nutzt sie aber die Machete um Mrs. Vorhees zu enthaupten. Doch geht auch diese Gleichung, wonach Alice durch die Überwindung der bösen Übermutter zu ihrer sexuellen Souveränität finden würde, nicht vollständig auf. Denn in einer letzten Schocksequenz wird sie in einem Boot auf dem See vom halbverwesten Jason angegriffen – die Schlußszene im Krankenhaus läßt offen, ob es sich dabei um eine Traumsequenz gehandelt hat, ihre letzten Worte “He’s still there” lassen jedoch nichts Gutes hoffen. Der in Zeitlupe überinszenierte Befreiungsschlag mit der Machete scheint die Angst vor der überwachenden und strafenden Autorität (die, wenn man den voyueristischen / strafenden Blick als Verlängerung des Phallus begreift für einen weiblichen Mörder eher untypisch ist) lediglich verlagert und auf ihre eigentliche Ursache gelenkt zu haben: auf etwas, das tief unter einer spiegelnden Oberfläche vor sich hinverwest, also das eigene Unterbewußte.

In Deutschland hielt man sich allerdings trotz des kommerziellen Erfolgs von FRIDAY THE 13TH nicht lange mit einer detaillierteren Analyse auf sondern verurteilte ihn als prototypischen Schundfilm und verfrachtete ihn auf den Index der jugendgefährdenden Medien, wo er bis heute vor sich hingammelt. Gerade die Tatsache, daß er im Grunde genommen für ein junges Publikum intendiert ist und die sehr seltsamen amerikanischen Moralvorstellungen scheinbar bestätigt, letztlich aber durch die sprunghaft wechselnde Zuschaueridentifikation ad absurdum führt (immerhin wird zunächst Annie als Sympathieträgerin angeboten, die vermeintlich eine “Heldenreise” aus der gewohnten Welt an den Haunted Place unternimmt; der Mittelteil hingegen gehört dem Mörder außerhalb der Kadrierung, wohingegen das Publikum spätestens dann auf der Seite des Final-Girls Alice steht wenn Mrs. Vorhees ihre allmächtige Position außerhalb des filmischen Raums aufgibt und persönlich in Erscheinung tritt), scheint man dem Film bis heute am meisten zu verübeln. Andererseits muss man jedoch zugeben, daß er zwar aufgrund seines berüchtigten Rufes und der harten Savini-Effekte inzwischen Klassikerstatus erlangt hat, für ein modernes Publikum aber vergleichsweise lahm anmutet. Das liegt natürlich auch daran, daß das Strickmuster derartiger Filme damals zwar neu, inzwischen aber sattsam bekannt sein dürfte, weshalb die ursprünglich desorientierende und schockierende Wirkung des Films nicht mehr im vollen Ausmaß nachvollziehbar ist.

Netterweise wurde jedoch in Deutschland schon immer stets die Unrated-Version veröffentlicht wohingegen man sich in den USA lange Zeit mit einer leicht entschärften Fassung begnügen musste.

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